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Ein gewisses Risiko gehört zum Unternehmertum dazu. Wenn man selbstständig ist – sei es, dass man sich als Existenzgründer selbstständig gemacht hat, oder man einen Betrieb im Rahmen einer Unternehmensnachfolge bzw. durch Kauf übernommen hat, ist daher ein durchdachtes Risikomanagement unerlässlich. Sowohl bei der Gründung bzw. beim Geschäftsstart, aber auch gerade im laufenden Betrieb! Wie manage ich meine Risiken effizient?

1. Risiken identifizieren

Grundlage für ein Risikomanagement ist es – so trivial es klingt – die Risiken zunächst einmal zu kennen. Die Identifizierung von unternehmerischen Risiken ist jedoch gar nicht so einfach, denn eine Vielzahl von Faktoren spielt hier eine Rolle. Alle hier aufzuzählen würde den Rahmen sprengen, jedoch wollen wir die Bandbreite etwas schlaglichtartig beleuchten.

Jeder Unternehmer kann von allgemeinen unternehmerischen Risiken, wie z.B. schlechter Konjunktur, Inflation, politischen Veränderungen, die das Geschäft betreffen, Rohstoffengpässen etc. betroffen sein. Diese sind extern bedingt, daher auch oft externe Risiken genannt. Auch Risiken, wie Naturkatastrophen, ggf. Sturm, Feuer etc. wären hier zu berücksichtigen. Daneben gibt es aber auch spezifische Risiken, die vom Geschäftsmodell und vom konkreten Unternehmen abhängen und als interne Risiken bezeichnet werden. Hierfür kann man als Beispiele nennen das Risiko, dass die Qualität der Produkte/Dienstleistungen nicht hinreichend ist, das Risiko, dass ein Schlüssellieferant, ein zentraler Großkunde oder wichtige Mitarbeiter – womöglich sogar der Unternehmer selbst, etwa durch Krankheit, ausfällt.

Ein ganz wichtiges und komplexes Risikofeld ist das finanzielle Risiko: Was mache ich, wenn das Geschäft nicht rentabel ist, wenn externe Finanzmittel nicht zurückgeführt werden können, oder wenn vielleicht auch nur vorübergehend die Liquidität nicht ausreicht? Was, wenn unerwartete Nachzahlungen auf mich zu kommen? Auch Haftungsfälle sollten als Risikofaktoren unbedingt berücksichtigt werden.

Und schließlich auch das private finanzielle Risiko: Was, wenn die selbst investierten finanziellen Mittel aufgebraucht sind und die Rendite, die das Unternehmen abwirft nicht für die Lebensführung, geschweige denn für die Vorsorge im Alter reicht? Auch als Unternehmer muss man private Rechnungen bezahlen und braucht dafür ein gewisses Gehalt auf dem Konto. Zudem kommen auf den Selbständigen ganz andere steuerliche Aufwendungen und Sozialabgaben als für klassische Arbeitnehmer zu. Diese Abgaben – seien es freiwillige oder je nach Tätigkeit gesetzliche Sozialabgaben, eventuelle Handwerkskammerbeiträge, laufende Kosten für Miete und Strom oder Aufwendungen für Versicherungen – müssen mit eingerechnet werden.

Sie sehen, es gibt hier sehr viel zu bedenken – die Erfassung der wesentlichen Risiken stellt eine der Hauptaufgaben im Risikomanagement dar. Sind die Risiken erst einmal identifiziert, so gilt es, sie zu beurteilen, abzuwägen und im Blick zu behalten.

2. Risiken beobachten und beurteilen

Um Risiken regelmäßig im Blick zu behalten, gibt es unterschiedliche Tools und Hilfsmittel. Als guter Start für eine Risikoanalyse dient beispielsweise die SWOT-Analyse, mittels derer Unternehmen ihre Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken einschätzen. Denn dass die Ereignisse, die man als Risiken klassifiziert, tatsächlich eintreten, ist unterschiedlich wahrscheinlich. Es ist für ein Unternehmen in unserer Region vermutlich wahrscheinlicher, dass ein zentraler Kunde abspringt oder dass eine Maschine kaputtgeht, als dass beispielsweise ein Erdbeben die Produktionshalle oder das Geschäftsgebäude zerstört.

Für ein Unternehmen gilt es also abzuschätzen, wie hoch das jeweilige Risiko ist. Auch bieten sich Szenario-Analysen beispielsweise mit Blick auf die Finanzen an, um zu analysieren, wie sich unter bestimmten Prämissen und Veränderungen die Zahlen entwickeln. Beispielsweise wie verhält es sich mit der Liquidität, wenn ein wichtiger Kundenumsatz ausbleibt und womöglich noch eine zwingende große Investition getätigt werden muss? Wenn man weiß, was passiert im schlechtesten Falle, kann man auf Basis dieser sogenannten Worst-Case-Szenarien Maßnahmen zur Absicherung besser einschätzen.

3. Risiken absichern

Risiken lassen sich unterschiedlich gut absichern. Einige Risiken lassen sich über Versicherungsschutz kontrollieren: Die Gefahr, dass ein Brand die Produktionshalle zerstört, lässt sich etwa durch eine ausreichende Brandschutzversicherung abdecken. Das Risiko, dass das Unternehmen insolvent geht, weil man schlecht gewirtschaftet hat, lässt sich dagegen nicht versichern.

Manche Risiken lassen sich direkt eliminieren, sobald man sie erkannt hat. Kennt man die Schwachstelle, kann man sie vielleicht gleich unterbinden. Ist es beispielsweise sehr riskant, mit einem bestimmten Unternehmen Geschäfte zu machen oder von einem bestimmten Lieferanten Produkte zu beziehen, so kann man den Geschäftspartner wechseln. Ist ein bestimmter Prozess sehr unsicher, so kann man Sicherheitsmaßnahmen ergreifen.

Speziell mit Blick auf finanzielle Risiken kann man ebenfalls viel tun. Rücklagen bilden, die als finanzielle Polster dienen, ist auch eine sehr wichtige Maßnahme zur Absicherung von Risiken finanzieller Art. Kapitalengpässe kann man frühzeitig umschiffen, indem man eine gute und aktuelle Finanzplanung durchführt und womöglich auf diversifizierte Finanzierunginstrumente baut. Ist die Liquidität knapp, lohnt es sich vielleicht Maschinen oder Gebäude zu leasen/mieten statt zu kaufen.

Mit Blick auf die private Situation sollte auch jeder Unternehmer prüfen, welche privaten Verflechtungen es gibt und ob diese ggf. unter Risikoaspekten gelöst werden können. Die finanziellen Verpflichtungen des Unternehmers sind oft eng mit dem Privatvermögen verflochten. Oft werden beispielsweise Privathäuser als Sicherheiten hinterlegt. Im Falle, dass das Geschäft nicht mehr laufen sollte, droht dem Unternehmer oft neben der betrieblichen Insolvenz womöglich im äußersten Fall noch die Privatinsolvenz.

Unsere Tipps:

Zentral ist es, die diversen Risiken – insbesondere eben die, die sich verändern – im Blick zu behalten und sich ein internes System aufzubauen, wie man die Risiken auch im unternehmerischen Alltag einfach im Blick behalten kann.

Ein wichtiger Punkt ist auch die Beratung: Unwissen schützt vor Strafe nicht – und hilft auch nicht gegen Risiken. Lassen Sie sich beraten, wo es nötig ist, um „Fallen“ zu vermeiden und Risiken zu minimieren. Etwa durch einen Rechtsanwalt zur rechtlichen Absicherung (im Bereich Personal, Geschäftsstrukturen, aber auch rechtssichere Umsätze). Auch ist für den Unternehmer ein kompetenter Versicherungsexperte unerlässlich um sicher zu sein, dass versicherbare Risiken zuverlässig abgedeckt sind, dass keine Unterdeckung besteht, aber auch umgekehrt keine überflüssigen Versicherungen abgeschlossen wurden, die das „Geld fressen“ und der Risikofall nahezu ausgeschlossen ist. Auch bei der eigenen Vorsorge im Alter ist das hilfreich. Bei steuerlichen Fragen hilft der Steuerberater, z.B. damit man nicht in Steuerfallen wie Phantomlohn, horrende Nachzahlung bei Betriebsprüfungen etc. tappt. Auch bei finanziellen Fragen sollte man Finanzexperten oder uns als Steuerberater hinzuziehen, um zu prüfen, ob man stabil und sicher aufgestellt ist.

Der allerwichtigste Punkt, der ganz oft vergessen wird:

Rechnen Sie die Risiken in Ihren Unternehmerlohn ein. Ein Risikozuschlag muss sein, denn als Unternehmer tragen Sie all diese Risiken. Unternehmertum muss sich lohnen.

erstellt am: 17.09.2019 | von: Martin Himmelsbach
Kategorie(n): Allgemein, Steuerberatung, Betriebswirtschaftliche Beratung & Analyse, Rechnungswesen & Controlling, Existenzgründung

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